Der Choleriker

Wenn man abends gemütlich mit Freunden am Grill sitzt und naturgemäß etwas ausgelassener ist, etwas lauter lacht, und der sich gestört fühlende Nachbar brüllt wütend über den Gartenzaun, dann hat man es mit einem Choleriker zu tun. Das beste Rezept in solcher Situation ist deeskalierendes Auftreten und Sachlichkeit, denn bei einer Konfrontation fühlt sich der Choleriker immer noch mehr herausgefordert und geht zum Angriff über – verbal oder schlimmstenfalls sogar körperlich. Diskussion bringt in solcher Situation nichts, denn der Choleriker ist sich keines unrechten Tuns bewußt und fühlt sich absolut im Recht.

Ein Choleriker reagiert oft für andere völlig überzogen und irrational.

Ein Choleriker reagiert oft für andere völlig überzogen und irrational.

Medizinisch betrachtet ist der Choleriker nach traditioneller, auf Mittelalter und Antike zurückgehender Einstufung neben Sanguiniker, Phlegmatiker und Melancholiker einer von vier Grundtypen menschlicher Verhaltensmuster, die nach der ‘Viersäftelehre’ auch unterschiedlich empfänglich für bestimmte Krankheiten sein sollten. Im Normalfalle wären alle vier Temperamente im Gleichgewicht und der Mensch gesund und psychisch unauffällig. Somit ordnet die Lehre des Hippokrates allen vier Grundtypen mindestens genauso viele positive, wie negative Eigenschaften zu. Nach ursprünglicher Darstellung zeigt sich ein Choleriker reizbar und aufbrausend, kann selbst in alltäglichen und unbedeutenden Situationen nur schwer die Beherrschung behalten und neigt zu Wutausbrüchen. Durchaus gibt es jedoch Menschen dieses Typus, die seine negative Spielarten auch unbewußt recht gut in den Griff bekommen und als durchsetzungsfähige Führungspersönlichkeiten ihren Mann stehen.

In der modernen Medizin gibt es diese Klassifizierung nicht mehr. Jeder Mensch vereinigt in seiner Psyche alle Wesenszüge, wobei die Typisierung der Grundcharaktere umgangssprachlich noch Verwendung findet. Hinter besonders aufbrausendem, aggressivem Wesen der Choleriker, aber auch gegenteilig hinter Depressivität oder Gleichgültigkeit, stecken oft psychische Störungen. Diese können auf Erkrankungen zurückzuführen sein, oder durch äußere Faktoren, wie Stress oder Mobbing, hervorgerufen werden. Wenn bei Kindern beispielsweise das ADHS-Syndrom (Hyperaktivität) besteht und nicht erkannt und therapiert wird, kann es sich im Erwachsenenalter fortsetzen und manifestieren. Das zeigt sich auch in einer fortgesetzten Unruhe, Impulsivität und Unnachgiebigkeit.

Negative, aufbrausende Verhaltensmuster können aber auch anerzogen werden, beispielsweise wenn der Nachwuchs sich vor dem Süßwarenregal brüllend auf den Boden wirft und diesem Verhalten aus Scham in der Öffentlichkeit oder aus Ruhebedürfnis nachgegeben wird. Kinder haben keine angeborene Beherrschung; sie wollen etwas oder eben nicht. Und dem verleihen sie mit ihren Mitteln nach Kräften Ausdruck, auch ohne psychische Erkrankung. Mit unserer angemessenen liebevoll-konsequenten Reaktion darauf prägen wir auch das spätere Verhalten mit. Es entscheidet, wie überall im Leben, das richtige Maß der Dinge.

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